Südafrika - der große Unbekannte

27.08.2010 | Hamburg
Hamburg. Zwölf Jahre ist es her, dass sich das südafrikanische Davis Cup Team aus der Weltgruppe verabschieden musste. Damals war die Mannschaft vom Kap in der 1. Runde mit 0:5 an Deutschland gescheitert und konnte in der anschließenden Play-off-Runde gegen Tschechien kein Match gewinnen. Seitdem versucht Südafrika vergeblich, in den Kreis der 16 besten Nationen im Herrentennis zurückzukehren.

Dieses Mal soll alles anders werden: "Ich freue mich sehr, für diese entscheidende Begegnung das beste Team aufstellen zu können", sagt der südafrikanische Kapitän John-Laffnie de Jager über seine Mannschaft, mit der er vom 17. bis 19. September am Stuttgarter Weissenhof gegen Gastgeber Deutschland um den Aufstieg spielt. Angeführt wird sein Team von Kevin Anderson (ATP 77), der zuletzt beim Masters-Turnier in Toronto erst im Achtelfinale von Rafael Nadal gestoppt werden konnte und de Jager erstmals seit zwei Jahren wieder zur Verfügung steht. "Es ist großartig, dass Kevin wieder für uns spielt. Wir stehen vor einer großen Herausforderung, aber als Team sind wir sehr gefährlich." Auch Rückkehrer Anderson sieht der Partie in Stuttgart optimistisch entgegen: "Wir treten mit dem bestmöglichen Team in Stuttgart an und haben gegen die Deutschen gute Chancen. Ich hoffe, dass Südafrika am Ende stolz auf uns sein wird."

Besonders stolz waren die südafrikanischen Tennisfans auf ihr Davis Cup Team in den 90er Jahren. Damals war es vor allem Wayne Ferreira, der maßgeblichen Anteil daran hatte, dass die Mannschaft vom südlichen Zipfel des afrikanischen Kontinents 1994 zum ersten Mal den Aufstieg in die Weltgruppe schaffte und von 1995 bis 1997 jeweils das Viertelfinale erreichte. 13 Jahre lange war der gebürtige Johannesburger für sein Land im Einsatz, nahm an 25 Partien teil und bestritt insgesamt 59 Matches, von denen er 41 gewinnen konnte. Ferreira ist damit der erfolgreichste Davis Cup Spieler in der Geschichte seines Landes.

Heute heißt Südafrikas Nummer eins Kevin Anderson. Der 24 Jahre alte Johannesburger ist seit drei Jahren Profi und hat im August mit Position 77 die beste Weltranglistenplatzierung seiner Karriere erreicht. Seinen bislang einzigen ATP-Titel gewann Anderson 2008 in Las Vegas, als er sich über den Umweg der Qualifikation bis in das Finale spielte und dort den US-Amerikaner Sam Querrey in drei Sätzen bezwang. Zwei Wochen später stellte der damals noch jenseits der Top 100 geführte Südafrikaner sein Potential einmal mehr unter Beweis, als er in Miami den damaligen Weltranglisten-Dritten Novak Djokovic aus Serbien aus dem Turnier warf.

Besondere Beachtung verdient auch der südafrikanische Doppelspezialist Wesley Moodie. Der 31jährige war vor gut einem Jahr bereits die Nummer acht der Doppel-Weltrangliste und hat neben zahlreichen ATP-Titeln auch einen Sieg beim Grand Slam Turnier in Wimbledon auf seinem Konto. An der Seite des Australiers Stephen Huss besiegte er 2005 im Finale das US-amerikanische Brüderpaar Bob und Mike Bryan in vier Sätzen. Bevor sich Moodie auf seine Doppel-Karriere konzentrierte, war er auch im Einzel erfolgreich. Vor fünf Jahren gewann der 1,96 Meter große Rechtshänder aus Durban das ATP-Turnier in Tokio, erreichte mit Weltranglistenplatz 57 sein bestes Ranking und hatte beim letzten Aufeinandertreffen mit Deutschland im Davis Cup maßgeblichen Anteil daran, dass die Partie bis zum Schluss spannend blieb. Zunächst hatte sich Moodie der deutschen Nummer eins, Nicolas Kiefer, nur knapp in fünf Sätzen geschlagen geben müssen, anschließend aber das Doppel in drei Sätzen gewonnen und zu Beginn des dritten Tages mit einem Fünf-Satz-Sieg gegen Tommy Haas für den zwischenzeitlichen 2:2-Ausgleich gesorgt.

Auch in diesem Jahr werden die Gäste aus Südafrika der deutschen Mannschaft auf dem Stuttgarter Weissenhof alles abverlangen. Das weiß auch Patrik Kühnen: "Wir werden die Partie sehr konzentriert angehen. Wir haben den notwendigen Respekt vor unserem Gegner, sind aber auch selbstbewusst und wissen, dass wir gute Chancen haben, vor heimischem Publikum gegen das südafrikanische Team zu gewinnen." Der deutsche Teamchef wird voraussichtlich am 7. September seine Mannschaft benennen, mit der er den Verbleib in der Weltgruppe sichern will. Ein Sieg Deutschlands wäre Südafrikas zweite Play-off-Niederlage in Folge. Vor einem Jahr hatte die Mannschaft von John-Laffnie de Jager in einer Neuauflage des Finals von 1974 Indien gegenüber gestanden. Vor 36 Jahren hatte sich die indische Mannschaft aus Protest gegen die Apartheidspolitik geweigert, zum Finale nach Südafrika zu reisen. 2009 beendeten sie in Johannesburg die Hoffnungen des südafrikanischen Teams auf eine Rückkehr in die Weltgruppe mit 4:1.

Tageskarten für die Davis Cup Partie Deutschland gegen Südafrika sind ab 20 Euro zu haben, eine Dauerkarte kostet 95 Euro. Tickets sind im Internet bei www.tickets.com sowie telefonisch unter der Nummer 01805 6666 979 (14 ct/min aus dem deutschen Festnetz, max. 42 ct/min aus deutschen Mobilfunknetzen) erhältlich

Quelle: Pressemeldung Deutscher Tennis Bund e.V. (DTB)

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