Virusinfektionen: ständiger Wettlauf gegen die Zeit
Bei anderen Infektionskrankheiten, wie dem durch Humane Papillomviren (HPV) hervorgerufenen Gebärmutterhalskrebs, ist mehr öffentliche Aufmerksamkeit und Sachkenntnis nötig, um die Bevölkerung effektiv schützen zu können.
Damit neue Erreger oder veränderte Mikroben frühzeitig erkannt und bekämpft werden können, bedarf es eines umfangreichen diagnostischen Instrumentariums. Die Bedeutung der Diagnostik für die Bekämpfung und Therapie von viralen Erkrankungen wie AIDS, Gebärmutterhalskrebs und Neuer Grippe stand im Mittelpunkt eines Pressegesprächs bei Roche Diagnostics, das im Rahmen der Roche Tage 2010 mit international renommierten Experten stattfand:
- Prof. Dr. Bernhard Fleckenstein, Leiter des Instituts für Klinische und Molekulare Virologie und Leiter des Nationalen Referenzzentrums für Retroviren des Universitätsklinikums Erlangen (HIV)
- Prof. Dr. Dr. h.c. Herbert Pfister, Direktor des Instituts für Virologie und Leiter des Nationalen Referenzzentrums für Papillom- und Polyomaviren des Universitätsklinikums Köln (Humane Papillomviren)
- Dr. Marcus Panning, Oberarzt Diagnostik der Abteilung Virologie des Universitätsklinikums Freiburg (Influenzaviren).
Anlass des Gespräches war der Verlauf der aktuellen Influenza-Pandemie, die gezeigt hat, wie wichtig zuverlässige Diagnostik-Verfahren und eine Risikobewertung für alle individuell und für das Gemeinwohl zu treffenden Entscheidungen sind.
Das primäre Ziel der HIV-Behandlung besteht beispielsweise darin, die Viruslast maximal zu reduzieren. Gelingt dies nicht - etwa wegen mangelnder Patienten-Compliance - kann das Virus gegen Bestandteile der medikamentösen Therapie resistent werden. Grund hierfür sind Mutationen, die zu Strukturveränderungen der viralen Proteine führen. Bei Resistenzen des HI-Virus spielen verschiedene Enzyme, darunter die viruseigene Reverse Transkriptase, einfe wesentliche Rolle. Deshalb werden zur Messung der viralen Resistenzentwicklung Genbereiche dieser Enzyme sequenziert und molekularbiologisch analysiert. "Anhand der Ergebnisse kann der Arzt dann Vorhersagen über die Wirksamkeit der zur Therapie vorgesehenen antiviralen Substanzen treffen. Resistenztests haben sich daher zu einem wichtigen Instrument des Therapie-Monitorings entwickelt. Sie tragen dazu bei, die therapeutischen Aussichten von Menschen mit HIV/AIDS zu verbessern", sagte Prof. Dr. Bernhard Fleckenstein.
Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) wird durch eine Infektion mit Humanen Papillomviren verursacht; 17 verschiedene Typen Humaner Papillomviren (HPV) gelten als mögliche Auslöser von Gebärmutterhalskrebs, allen voran HPV 16 und 18. "Für Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung des Zervixkarzinoms und seiner Vorläufer ist neben der heute in Deutschland praktizierten zytologischen Untersuchung von Zervixabstrichen der Nachweis der Erbsubstanz von genitalen Hochrisiko-HPV-Typen besonders geeignet. Diese so genannte Genotypisierung hat im Vergleich zur Zytologie mehrere Vorteile: bessere Standardisierbarkeit, weniger Interpretationsspielraum und bessere Reproduzierbarkeit der Ergebnisse sowie höhere Empfindlichkeit", erläuterte Prof. Dr. Herbert Pfister die Bedeutung dieser Methode für die Therapie bei einer HPV-Infektion.
Die Influenza-A-Viren können aufgrund ihrer Oberflächenproteine, der Glykoproteine Hämagglutinin und Neuraminidase, unterschieden werden. Ihre genaue Bezeichnung erfolgt über den Subtyp, 16 verschiedene H- und 9 N-Subtypen sind derzeit bekannt. Eine Unterscheidung der Subtypen ist aus therapeutischen als auch hygienischen und epidemiologischen Gründen wichtig. Daher kommt der Diagnostik hier ein wesentlicher Stellenwert zu. Sie fand bisher häufig mit Hilfe eines so genannten Antigen/Antikörpernachweises (Schnelltest) statt. Im Rahmen der jüngsten Influenzapandemie erbrachten diese aber enttäuschende Ergebnisse und sind zur Ausschlussdiagnostik nicht zu empfehlen. "PCR-Verfahren erlauben im Gegensatz zu Schnelltests auch eine Subtypisierung der Erreger. Darüber hinaus zeichnen sie sich durch eine hohe Sensitivität und Spezifität aus. Mit Hilfe von Real-time PCR-Verfahren ist zusätzlich ein Hochdurchsatz von Proben möglich", erläuterte Dr. Marcus Panning die verschiedenen Diagnoseverfahren. Entsprechende Relevanz hatte dieses Verfahren im Zusammenhang mit der Neuen Influenza A/H1N1, die sich im vergangnen Jahr innerhalb weniger Wochen weltweit so verbreitete, dass die Weltgesundheitsorganisation am 11. Juni 2009 die Pandemie ausrief.
"Gensequenzierung, Genotypisierung, die Polymerase-Kettenreaktion und der Antikörpernachweis sind Testverfahren und Technologien, die in vielen großen Laboratorien eingesetzt werden, um den Erreger einer Infektionskrankheit exakt zu bestimmen", unterstrich Dr. Uwe Oberländer, Leiter Vertrieb Marketing Labordiagnostik der Roche Diagnostics GmbH. "Sie sind wichtiger Bestandteil des Diagnostikportfolios, das Roche Diagnostics anbietet, so etwa den Kompaktsequencer GS Junior zur Gensequenzierung, den cobas 4800 zum automatisierten PCR-Nachweis etwa von HPV, oder den COBAS AmpliPrep/COBAS TaqMan HIV-1 Test v2.0 zum quantitativen Nachweis des HI-Virus."
Quelle: Pressemeldung Roche Diagnostics GmbH
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