Fischregen: Das kuriose Naturereignis in Australien, Indien, Japan und Sri Lanka

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Im Jahre 2009 soll es in Japan mehrere Tage Kaulquappen geregnet haben. Einige Jahre später, im Jahre 2018, berichteten Menschen, dass es an der ostchinesischen Küstenstadt Qingdao allerlei Meerestiere geregnet haben soll. Doch davon nicht genug, das Naturphänomen Fischregen scheint weniger selten als angenommen. Erste Berichte datieren sich bereits auf das Jahr 1918 zurück. Damals berichteten mehrere Bewohner der britischen Stadt Hendon von Fischen, die vom Himmel fielen.

Naturphänomen Fischregen: Wie entsteht sowas?

Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass ein Fischregen die Folge von Tornados und Windhosen sein muss. Der starke Wind der bei Windhosen und Tornados entsteht soll demnach das Wasser und auch die Tiere, die darin leben, aufsaugen. Der Sturm saugt das Wasser und die darin lebenden Tiere also regelrecht auf und katapultiert sie so in große Höhen.

Wasser und Tiere werden dann mitgeschleift, bis die Windstärke und die Geschwindigkeit des Sturms wieder nachlassen. Das kann nach einigen Metern passieren. Oft werden die Tiere aber über mehrere hundert Kilometer transportiert und fallen schließlich in einer ganz anderen Stadt oder sogar in einem anderem Land vom Himmel.

Forscher der Forschungsbibliothek des US-Kongresses und auch der deutsche Biologe Dr. Mario Ludwig, vertreten die Theorie, dass es das Phänomen Fischregen bereits seit dem Altertum geben soll und verweisen auf Aufzeichnungen, die dies bestätigen sollen.

Häufige Ursache für einen Fischregen ist ein Tornado auf dem Meer. Er erfasst Fische und wirbelt sie mitsamt dem sie umgebenden Wasser in die Höhe. Oft werden sie viele Hundert Kilometer weit vom Tornado transportiert. (Foto: shutterstock - IgorZh)

Häufige Ursache für einen Fischregen ist ein Tornado auf dem Meer. Er erfasst Fische und wirbelt sie mitsamt dem sie umgebenden Wasser in die Höhe. Oft werden sie viele Hundert Kilometer weit vom Tornado transportiert. (Foto: shutterstock – IgorZh)

Sachsen, 989: erster Fischregen der Neuzeit

Es existieren Berichte, in denen geschrieben steht, dass sich in Sachen im Jahr 989 ein Fischregen ereignet haben soll. Das Spektakel wurde in Holzschnitten verewigt und für die Nachzeit aufbewahrt. Insgesamt wurden innerhalb von zwanzig Jahren etliche solcher Phänomene für die Nachwelt festgehalten.

Japan, 2009: Fischregen in Miyoshi, Hamamatsu, Iwate und Ishikawa

Berichten der Japan Times zufolge ereignete sich im Juni 2009 ein Naturspektakel, bei dem mehrere Kaulquappen vom Himmel fielen. Am Morgen des 15. Juni des selben Jahres fanden Passanten 13 tote Tiere in Miyoshi (Präfektur Hiroshima). Die Kaulquappen lagen verteilt auf einem Parkplatz und auf einem Rasen auf einer Fläche von etwa 20 Metern.

Auf dem Sportplatz der örtlichen Mädchenschule in Hamamatsu (Präfektur Shiuouka) fand ein Lehrer 30 tote Kaulquappen. Doch davon nicht genug: Auch auf dem Tennisplatz der eben genannten Mädchenschule sollen 40 bereits ausgetrocknete Kaulquappen und Frösche gefunden worden sein, laut der Zeitung Mdn.Mainichi.jp.

Eine 67-jährige Frau will in der Präfektur Iwate ein Dutzend Fische gesehen haben, die teilweise tot, teilweise zappelnd auf dem Boden lagen. Sie erklärte, ein Plätschergeräuch gehört zu haben, das sie zum Nachsehen animierte.

Auch die britische Zeitung The Guardian berichtet über mehrere Fälle des Naturphänomens Fischregen in Japan. In der Präfektur Ishikawa sollen auf dem Dach eines Lkws 13 Karpfenfische gefunden worden sein. Aber auch auf Schulplätzen, Windschutzscheiben und Autodächern will man solch ein Spektakel vorgefunden haben.

Kaulquappen gingen bei dem Fischregen 2009 in Ishikawa nieder (Foto: shutterstock - Keroro)

Kaulquappen gingen bei dem Fischregen 2009 in Ishikawa nieder (Foto: shutterstock – Keroro)

Qingdao, 2018: ein Regenguss Meeresfrüchte

Medien berichten am 19. Juni 2018 von einem Naturschauspiel das sich in der ostchinesischen Küstenstadt Qingdao zugetragen haben soll. Hagelkörner, so groß wie Golfbälle, sollen vom Himmel gefallen sein. Außerdem wird von Meerestieren wie Schnecken, Shrimps und Seesternen berichtet, die einfach vom Himmel gefallen sein sollen. Unter anderem haben sie die Sicht von Autofahrern verhindert, weil sie auf sämtliche Windschutzscheiben fielen. Viele Menschen teilten die kuriosen und beindruckenden Bilder über soziale Netzwerke mit der ganzen Welt. Vor allem auf Twitter und Facebook wurde das ungewöhnliche und für uns seltene Spektakel mehrfach geteilt und geliked.

Indien, 2018: Verwüstung in Andhra Pradesh (Video)

2018 erschütterte der Wirbelsturm Zyklon Phethai Andhra Pradesh. Reisfelder wurden zerstört und überflutet. Existenzen wurden zerstört. Mehr als 30.000 Menschen mussten evakuiert werden. Der Gesamtschaden belief sich auf stolze 100 Millionen US-Dollar. Doch weitaus trauriger und schlimmer als der Sachschaden, ist die Tatsache, dass der Zyklon Phethai mehr als acht Todesopfer forderte.

Auch hier berichteten viele Beiwohnende, dass Fische vom Himmel gefallen sein sollen. In diesem Video sieht man die beeindruckenden und zugleich schockierenden Bilder von dem Wirbelsturm Zyklon Phethai.

Video: Cyclone Phethai | Makes Landfall At Katrenikona | Watch live from RTGS

Mexiko, 2017: ein dramatischer Fischregen

Die Stuttgarter Zeitung berichtet von einem dramatischen Fischregen im Norden Mexikos, nahe der Stadt Tampico, im September 2017. Viele Bilder auf Social Media-Plattformen wie Facebook zeigen das Ausmaß des Naturphänomens. Auch der Zivilschutz der Stadt Tampico selbst veröffentlichte zudem Fotos, die Fische zeigen, die in Tüten eingesammelt wurden. Wissenschaftler vermuten, dass das Schauspiel durch die zeitgleichen Wasserhosen auf dem Meer vor der Küste verursacht wurde.

Aerial Stocking Utah: Fischregen for Future

Im US-Bundesstaat Utah fallen des Öfteren einfach mal Fische vom Himmel. Die Erklärung hierfür ist allerdings fast banal. Im Unterschied zu einem Fischregen, der durch Umwelteinflüsse begünstigt wird, vollzieht sich der Fischregen in Utah willkürlich und menschengesteuert. Er soll der Umwelt helfen und den Fischbestand verbessern.

Mitglieder des Utah Department of Wildlife bringen junge Forellen in ihre neue Heimat, indem sie sie aus dem Flugzeug „werfen“. Die Luke des Flugzeugs wird über dem Meer geöffnet und die Fische fallen aus dem Bauch der Maschine ins Meer und schwimmen in ihre neue Heimat.

Auf diesem Weg soll der Fischbestand in den entlegenen Bergseen aufgestockt werden. Hintergrund: Es gab einen großen Rückgang des Fischbestands, was sehr schlecht für die Natur ist und Artensterben begünstigt. Die Nachzucht soll also mit den jungen Forellen ausgeglichen, unterstützt und angetrieben werden. Der Transport im Flugzeug macht den Tierchen tatsächlich weniger aus als ein Transport im Lkw über den Landweg, gibt das Utah Department of Wildlife an.

95 bis 99 Prozent der Tiere überleben den Flug und kommen heil in ihrer neuen Heimat an. Die Quote der überlebenden Tiere sei beim Transfer über dem Landweg deutlich geringer, so des Department of Wildlife. Durch die geringe Größe der noch ganz jungen Fische, seien die Fische besser und leichter zu schützen und auch deswegen sei das Flugzeug besser als Transportmittel geeignet als ein Lkw.

Video: Luke auf und Fischregen bitte!

Dieses Video zeigt wie die Fische vom Flugzeug ins Meer ausgesetzt werden, um den Fischbestand zu optimieren und eine Nachzucht anzuregen. Dieser menschengemachte Fischregen ist allerdings natürlich nicht mit den Ereignissen in Indien, Australien, Sri Lanka oder gar Japan zu vergleichen, weil es sich hierbei eben nicht um ein Naturphänomen handelt, da der Mensch beabsichtig in die Natur eingreift, um den Fortbestand zu garantieren.

Video: Aerial Fish Stocking in Utah

Air Stocking New York: NYS Dept. of Environmental Conservation

Nicht nur das Department of Wildlife in Utah versucht durch Aussetzen von Zöglingen den Fischbestand aufzufüllen, auch das New York State (NYS) Department of Environmental Conservation trägt einen entscheidenden Teil dazu bei. Pro Jahr werden circa 450 Tonnen Jungfische in mehr als 1.200 öffentlich zugängliche Flüsse, Seen, Bäche und Teiche ausgesetzt. Die Fische werden gerade deswegen aufgezogen und ausgesetzt, weil man einheimische Arten wieder in ihre heimischen Gewässer ansiedeln möchte.

Video: Aerial Fish Stocking

Fischregen in Honduras

Menschen, die in Honduras wohnen, nennen den Geruch von Regen lluvia de peces, zu Deutsch Fischregen. Die dort beheimateten Menschen kennen das Naturphänomen nur zu gut, faktisch ist es mehr die Regel als die Ausnahme. Seit mehr als 100 Jahren ereignet sich das Naturphänomen jährlich zwischen Mai und Juni, manchmal sogar zweimal jährlich.

Das Spektakel dauert etwa drei Stunden an und schließt sich einem heftigen Sturm und einem starken Gewitter an. Sind die drei Stunden um, findet man viele Fische auf dem Boden wieder. Die Fische, die noch in einem guten Zustand sind, werden oftmals von den Einheimischen aufgelesen und zu einem Festmahl verarbeitet.

Das Spektakel zieht jährlich viele neugierige Menschen an. Tausende Menschen kommen aus aller Welt um dem Spektakel beizuwohnen.

It’s raining …

Steine, Fische, Muscheln, Stiere, Eidechsen, Schildkröten, Kröten und in manchen Sagen und Märchen auch Gold und Pech. Was aber kommt wirklich „aus heiterem Himmel“?

  • Men
  • Die Schalplatte der Weather Girls (Izora Rhodes Armstead und Martha Wash Jahwe) von 1982 wurde millionenfach verkauft.

  • Regen
  • Der Klassiker. Regentage, eine Tasse Tee und ein gutes Buch. Was kann das schon toppen?

  • Meister
  • Als Experte eines Fachs bekommt man öfter gesagt „Sie hat der Himmel geschickt!“, tatsächlich fallen diese (Handwerks-) Meister jedoch nicht vom Himmel herab, sondern erlernen ihre Fähig- und Fertigkeiten durch Fleiß.

  • Konrad Adenauer
  • Zugegeben, ein verrückter Vergleich. Jedoch wird ihm folgendes Zitat nachgesagt. Auf die Nachfrage, ob er unter Flugangst leide, soll er mit Nein, es ist doch noch keen Meister vom Himmel jefallen!“ geantwortet haben.

  • Schokolade
  • Als die sowjetische Besatzungsmacht die Zufahrtswege der Trizone nach West-Berlin vom 24. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949 versperrt hatte, wurde die Stadt Berlin von Flugzeugen der Westalliierten versorgt. Der amerikanische Pilot Gail Halvrosen warf Kaugummis und Schokoladentafeln mit selbstgebastelten Fallschirmen aus Taschentüchern herab. Deswegen wurde das Flugzeug auch „Candy-Bomber“ genannt. Als eine Ladung Rosinen für die Weihnachtsbäcker Berlins abgeworfen wurde, bekam er außerdem den liebevollen Beinamen „Rosinenbomber“.

    Dieses Video zeigt wie der legendäre Candy-Bomber seine Fracht abwirft.

    Video: Rosinenbomberpilot Gail Halvorsen verhindert 1948 den 3. Weltkrieg – Berliner Luftbrücke

  • David Bowie
  • Der bekannte Singer- und Songwriter David Bowie fiel im Film „Der Mann, der vom Himmel fiel“ von 1976 wortwörtlich vom Himmel. Er war auf der Suche nach Wasser für seinen Heimatplaneten, dabei spielte er einen Außerirdischen.

  • Ikarus
  • Sein Vater Daedalos und er wurden von König Minos als Bestrafung in ein Labyrinth gesperrt. Ein Fluchtweg musst her. Daedalos stellte aus Federn und Wachs Flügel her, sodass sein Sohn herausfliegen konnte. Der Vater warnte den Sohn, sich von der Sonne fernzuhalten. Ikarus aber flog dennoch zu hoch. Und so flog er zu nah an die Sonne und das Wachs, das seine Flügel zusammenhielt, schmolz dahin. Ikarus stürzte in den Tod.

  • Starfighter
  • Das Jagdflugzeug Lockheed F-104 (oder auch „Starfighter“) war in den 60ern und 70ern bekannt für seine vielen Abstürze. Einige wenige glauben, dass schon allein der Kauf eines etwas größeren Grundstücks der Anlass für einen Absturz konnte.

Über den Autor

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Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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